Es gibt Menschen, die wirken, ohne dabei groß im Vordergrund zu stehen. Sie strahlen still durch ihr Tun, ihren Charakter, ihre innere Haltung. Menschen, die das Leben vieler berühren, ohne es an die große Glocke zu hängen.
Eine dieser Menschen ist meine Mutter: Ulrike Klinke, Fachärztin für Arbeitsmedizin und eine Frau, die seit Jahrzehnten unermüdlich dafür sorgt, dass es anderen gut geht – am Arbeitsplatz und darüber hinaus.
Dieses Interview ist für mich ein besonderes. Nicht nur, weil ich die Ärztin spreche. Sondern weil ich den Menschen zeigen möchte, der mich selbst enorm geprägt hat.
Die leise Wahrheit, die viel verändern würde
Als ich meine Mutter fragte, welchen Gedanken aus ihrem beruflichen Alltag sie der Welt schenken würde – etwas, das viele nicht wissen, das aber vieles verändern würde – antwortete sie ruhig und ohne Pathos:
„Vielen Menschen wäre auch schon mit kleinen Änderungen geholfen – sie bräuchten zum Beispiel in Büros weniger Sitzen und mehr Bewegung und das auch mit einem Schuss Eigeninitiative – und überall mehr Miteinander und mehr Freundlichkeit.“
In einer Zeit, in der Gesundheitsfragen oft kompliziert erscheinen, erinnert sie daran, dass die wesentlichen Dinge fast immer schlicht sind:
- Ein freundliches Wort.
- Ein bisschen Menschlichkeit.
- Ein paar Schritte mehr am Tag.
Und die Bereitschaft, einander zu sehen.
Eine Ärztin, die dorthin geht, wo die Menschen sind
Beruflich verbringt meine Mutter unzählige Stunden in Firmen, Betrieben und Organisationen. Sie ist dort, wo Menschen ihren Alltag verbringen.
„Ich schaue, dass es den Leuten gut geht. Ich höre zu, ich nehme mich Problemen an, ich mache Untersuchungen, Begehungen, spreche mit Menschen – und versuche, die Arbeitswelt ein kleines Stück menschlicher zu machen.“
Und manchmal passiert etwas, das zeigt, wie wertvoll diese Arbeit ist. Sie erzählt von Fällen, in denen sie Herzrhythmusstörungen erkannt hat oder von Menschen mit extrem gefährlichem Blutdruck, die ohne sie vielleicht unbemerkt weitergearbeitet hätten.
„Das sind die Momente, in denen man spürt, dass es wichtig war, da zu sein.“
Was gesunde Firmen gemeinsam haben
Ich wollte wissen, was Firmen unterscheidet, in denen Menschen gerne arbeiten, von jenen, in denen die Stimmung schwer ist. Ihre Antwort ist eine Sammlung aus Erfahrung, Menschenkenntnis und Beobachtung:
„Dort, wo man die Mitarbeiter wirklich sieht, ist es ruhiger, freundlicher und ausgeglichener. Wo Disharmonie herrscht, spürt man das sofort. Unzufriedenheit breitet sich wie ein Nebel aus.“
Es ist der Blick auf Führung, auf Beziehungen, auf Atmosphäre. Es ist das ungesagte Gefühl, das man sofort wahrnimmt, wenn man einen Raum betritt.
Woher ihr Mitgefühl kommt
Ich habe meine Mutter gefragt, warum sie so selbstverständlich ein Auge auf andere hat. Warum sie hilft, wo sie kann. Was diesen Blick auf das Wohl anderer in ihr wachsen ließ.
„Das ist sicher Erziehung. Und wenn man Medizin studiert, stellt man sich automatisch in den Dienst der Menschen.“
Eine Hilfsbereitschaft, die nicht um Anerkennung bittet. Eine Selbstverständlichkeit, die sich über Jahrzehnte in fürsorglichen Handlungen zeigt.
Ein ganzheitlicher Blick auf Gesundheit
Als Ärztin geht ihre Sicht weit über körperliche Symptome hinaus. Sie versteht Gesundheit als Zusammenspiel aus Körper, Psyche, Haltung und Beziehung.
Ihre einfachen, aber kraftvollen Botschaften, was ein Impuls für mehr Zufriedenheit im Arbeitsalltag sein kann:
- Öfter mal dankbar sein.
- Freundlich sein.
- Sich dafür interessieren, wie es anderen geht.
Gesundheit beginnt nicht erst, wenn etwas weh tut. Sie beginnt im Blick auf das Leben, im Umgang miteinander, im eigenen Denken.
Wie sie selbst Kraft schöpft
Auch Menschen, die geben, brauchen Pausen. Als ich sie fragte, was ihr selbst guttut, wurde sie nachdenklich und ehrlich:
„Ich brauche manchmal Phasen, in denen ich einfach nur Ruhe habe. Nichts tun. Auch mal wegfahren. Gut essen. Schönes ansehen.“
Was ihr Kraft schenkt:
- Dankbarkeit
- Musik
- Kleine Alltagsfreuden
- Der Moment, in dem jemand sich über etwas von ihr freut
Es sind die kleinen Dinge, die sie nähren – und die sie, ohne es zu merken, auch anderen schenkt.
Wenn sie der Welt einen Tag lang etwas sagen könnte …
„Es gibt keinen Grund, warum es Kriege geben muss. Ich wünsche mir Frieden.“
Ihr Rat an die Arbeitswelt – und an uns alle
„Öfter mal die Perspektive wechseln. Nicht nur die Chefs, auch die Mitarbeiter. Und die Jüngeren sollten versuchen, die Lage der Älteren zu verstehen. Und andersrum. Empathie hilft allen.“
„Ein guter Chef sorgt dafür, dass die Mitarbeiter sich wohlfühlen – und sagt klar, wie er etwas meint.“
Worte, die sie begleiten
„Was krumm ward oft noch grad – oft über Nacht kam guter Rat.“
„Nie sollt ihr so tief sinken, aus dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“
Ich bedanke mich für dieses Interview!
Von Herzen
Eure Alexandra alias Alex im Wunderland
Ein besonderer Gruß im Nachwort: Danke, Mama
Liebe Mama,
Du hast mich mein Leben lang inspiriert – durch deine Warmherzigkeit, deine Stärke und deine unerschütterliche Bereitschaft, für andere da zu sein.
Alles, was ich heute mache – jedes Projekt, jedes Buch, jedes Event, jeder Workshop – trägt Spuren von dir. Von deiner Haltung. Deiner Fürsorge. Deiner Art, die Welt ein bisschen besser zu machen.
Danke, dass du mich immer unterstützt und ermutigt hast. Danke, dass du mir vorgelebt hast, was Menschlichkeit bedeutet. Und danke, dass du bis heute jede Vision von mir mit förderst.
Du bist – und bleibst – einer der inspirierendsten Menschen in meinem Leben.
Herzlich, deine Alexandra
